So tickt der Torjäger von Bezirksligist TuS Langenholthausen

Foto: Dietmar Reker, www.sportpresse-reker.de

„Wie ich mich selbst verteidigen würde? Das ist eine gute Frage“, sagt Falk Fischer mit einem verschmitzten Grinsen. Nach dem letzten Training vor dem Sonntagsspiel beim BC Eslohe sitzt er entspannt auf der Bank im Vereinsheim des Bezirksligisten TuS Langholthausen. Schwarze Cap, graue Kapuzenjacke, blaue Jeans, Dreitagebart. Die Ellenbogen stützt er neben sich auf die Rückenlehne. Die Frage zu beantworten fällt ihm nicht leicht. So wie vielen anderen Mannschaften in der Liga auch. Wie verteidigt man gegen einen Linksaußen, der in 12 Partien bisher 13 Tore geschossen hat? „Ich würde definitiv nah an mir dran bleiben und mein Dribbling attackieren. Nicht treten. Das macht mich nur giftig und dann spiele ich noch aggressiver“, sagt der 26-Jährige.

Dass Fischer toraffin ist, ist für die Fans in Balve und Umgebung nichts Neues mehr. Vor 22 Jahren nahm ihn sein Cousin mit zum Training. „Ich war sofort süchtig. Wahnsinn, dass ich schon so lange dabei bin“, staunt Fischer. Mit vier Jahren ging er das erste Mal für den TuS Versetal auf Torjagd. Nach den Stationen Werdohl, Iserlohn und Plettenberg kam er vor zwei Jahren zum TuS Langenholthausen. „Ich war immer für meine Tore bekannt. Ich gehöre noch zur Generation Bolzplatz. Tag und Nacht war ich dort, wo ein Tor stand“, sagt Fischer. Dort probierte er auch die eine oder andere Bewegung seines Idols aus, dem ehemaligen brasilianischen Nationalspieler Ronaldo.

Rivale in den eigenen Reihen

Früher spielte Fischer noch als Mittelstürmer, erst bei den Senioren änderte sich seine Position. Die geht auch mit mehr Arbeit in der Defensive einher, nicht unbedingt Fischers Natur, wie er selbst zugibt. Die Vollblut-Verteidiger in der Mannschaft geben ihm aber mit neckischen Kommentaren nur zu gerne zu verstehen, dass er die Arbeit dort auch machen muss.

Am offensiven Ende des Feldes braucht Fischer keine Motivation von außen. Auch in Langenholthausen nutzt er sein Gespür für das Tor. Im Rennen um die Torjägerkrone belegt er mit seinem Mannschaftskollegen Gian Marco De Luca Platz Vier. Ein teaminternes Wetteifern gibt es aber nicht. Auch keine Sticheleien, wenn einer von beiden den anderen gerade überholt hat in der Rangliste. Stattdessen freuen sich beide über den Erfolg des anderen und natürlich den des Teams.

Torjägerkrone im Bereich des Möglichen

Nichtsdestotrotz hätte Fischer nichts dagegen, wenn er am Ende der Saison die meisten Tore der Liga erzielt hat. Hier kommt sein Ehrgeiz ins Spiel. „Die Krone würde ich schon mitnehmen. Ich bin ein Offensivspieler und kann von allem etwas. Ich kann dribbeln, und ich schieße auch gerne mal“, sagt er und muss selbst lachen. Umso mehr ärgert ihn, dass er zu Beginn der Saison ein paar Chancen nicht verwandelt hat. Seine Bestmarke von 18 Toren in der vergangenen Saison wäre damit vermutlich schon eingestellt. Priorität hat aber vor allem der Aufstieg. Der individuelle Erfolg muss sich dem unterordnen. Auch, wenn Fischer sagt, dass seine Tore natürlich einen Teil zu diesem Ziel beitragen.

Dafür nutzt er gerne unkonventionelle Laufwege, die der Gegner nicht vorhersieht. Fischer bedankt sich nach präzisem Zuspiel seiner Mitspieler dann mit einem Tor. Sollte er danebenschießen macht ihn das nicht nervös. Fußball ist Kopfsache, wie er sagt. Und auch er denkt im Spiel viel nach, aber ist dabei nicht mit sich beschäftigt, sondern mit dem Spiel seiner Mannschaft. „Wenn ich zwölf Versuche im Spiel danebensetze, dann geht eben der dreizehnte rein“, macht Fischer sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten deutlich.

Nicht ganz normal im Kopf

Trotzdem setzt er vor jeder Partie am Wochenende auf ein Ritual. Ein Stück Aberglaube gehört für den Spieler zum Spiel, wie das Bierchen nach dem Training in lockerer Runde. Wie genau das Ritual aussieht, möchte er nicht verraten, aus Angst, es könnte dann seine Wirkung verlieren. „Fußballer haben eben alle einen am Helm“, scherzt Fischer.

Solange es dabei hilft, Siege einzufahren und das möchte das Team unbedingt. Der Aufstieg soll die bisher so starke Saison krönen und einen neuen Höhepunkt in der Karriere von Fischer darstellen. Trotz seiner Erfahrung, auch in der Landesliga, hat er mit seinen Mannschaften noch nie den Aufstieg geschafft. „Das wäre eine Riesengeschichte auch für das Dorf, das uns so viel unterstützt“, so Fischer. Er ist auch der Meinung, dass das Team in der Landesliga nicht chancenlos wäre, sondern das höhere Tempo gut mitgehen könnte.

Der 26-Jährige zieht Selbstvertrauen und Ehrgeiz aus dem Sport, wie er selbst sagt. Fußball gibt ihm seit zwei Jahrzehnten viel für das eigene Leben mit. „Ich habe viele Freunde gefunden, mit Gegnern verstehe ich mich gut. Ich gebe nicht schnell auf und habe noch immer sehr viel Spaß. Ich bin wie ein kleines Kind. Wenn ich einen Ball sehe, will ich ihn treten.“